Ein Frühlingsmenü

Oder: Der längste Blogeintrag meines Lebens.

Wir haben also jetzt endlich (endlich!) einen Foodblog. Das hab ich zum Anlass genommen, mich einfach so mal unter der Woche an einem frühlingshaften Dreigängemenü zu versuchen. Die Essensfolge: Erbsensuppe, Gemüse-Paella mit Shrimps (optional), und Sorbetto.

Soviel vorweg: Das war schon ein bisschen eine logistische Herausforderung. Ich musste arbeiten, Daniel trabte also zum Supermarkt um einzukaufen. Erster Anruf: „Wo find ich Zuckerschoten? Sind die neben den Vanilleschoten?“ – „Nein, das sind sowas wie Erbsen. Oder Fisolen. Grün jedenfalls und im Gemüseregal.“ Zweiter Anruf: „Ich habe gefragt, die gibts hier nicht. Und frische Erbsen auch nicht. Und die Petersilie ist auch aus.“ So muss sich das im Ostblock angefühlt haben, denke ich mit großem Selbstmitleid. „Kein Stress, dann geh ich nach der Arbeit noch in einen anderen Supermarkt“. Es wurden schlussendlich TK-Erbsen und Kaiserschoten statt Zuckerschoten (gibts da einen Unterschied?). Wir kochen. „Wo ist der Safran?“ – „Welcher Safran?“ – „Der stand auf der Einkaufsliste.“ – „Nein“ – „Doch“ – „Nein“ – „Doch“. Kurz nachgeschaut. Er stand nicht auf der Einkaufsliste. Ich entschuldigte mich, ergänzte den Reis, den ich auch vergessen hatte, in Auftrag zu geben, Daniel trabte wieder los (es war sein dritter Supermarkt an diesem Tag, ich hatte es auf einen Supermarkt und ein Eisgeschäft gebracht.) Letzter Anruf: „Welchen Reis?“ – „Rundkornreis.“ – „Risottoreis?“ – „Ja, am besten Arborio.“ – „Arwas?“

Dann haben wir gekocht, waren nur 20 Minuten in Verzug und es hat ausgezeichnet geschmeckt. Kochen braucht Zeit und logistisches Talent, das ist allerdings schon die halbe Miete. Wir haben es außerdem mit einem recht umfassenden mise en place versucht (= alle Zutaten vorbereiten, so wie man das im Fernsehen immer sieht. Also alle Zwiebel und Gemüse schneiden, Gewürze und andere Zutaten herrichten…), das klappte auch gut.

Nun zum Menü (4 Personen):

Vorspeise: Erbsensuppe aus „Österreich Vegetarisch“ von Katharina Seiser. 

Geht ganz leicht, braucht aber ein bisschen Zeit wegen dem Schneiden und so.

Zutaten:

  • 2 Schalotten (oder eine kleine Zwiebel)
  • 1 Hand voll Kaiserschoten
  • 4 EL Weißbrotwürfel
  • 3 EL Butter
  • 300 g Erbsen (tiefgekühlt funktioniert wunderbar)
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 250 ml Schlagobers (ich hatte nur 200, klappte auch)
  • 750 ml Gemüsebrühe (wie alle seriösen KöchInnen erklärt Katharina Seiser in ihrem Kochbuch, wie wichtig hausgemachte Gemüsebrühe ist. Es schmecke einfach viel besser und gehöre zu guter vegetarischer Küche dazu. Wie die meisten Menschen nehme ich trotzdem Suppenwürfel.)

Schneiden: 2 Schalotten (Daniel: „Wäh, warum sind die so lila?“ – Jaja, Zwiebel hättens vielleicht auch getan…) und eine halbe Knoblauchzehe klein schneiden, Kaiserschoten fein nudelig schneiden, Weißbrot entrinden (mit einem scharfen Messern geht das viel besser als mit einem Brotmesser) und auf Croutongröße schneiden.

Kochen: Die nudeligen Kaiserschotenschnipsel kurz in sprudelnd kochendem Salzwasser blanchieren (2 Min oder so), dann abgießen, abschrecken, auf die Teller verteilen (das ist die Einlage). 2 EL Butter in einem Topf schmelzen, Schalotten und Knoblauch rein, kurz anschwitzen, Erbsen rein und weiter anschwitzen (wenn sie tiefgekühlt sind, wie in meinem Fall, schwitzt da erstmal nix. Einfach warten und rühren bis alles heiß ist und recht dampft). Schlagobers und Suppe (in meinem Fall: Wasser und Suppenwürfel) dazu. Etwa 10 Min. köcheln lassen. Dann mit dem Pürierstab pürieren. Ich habe das recht schnell wieder aufgegeben weil das manchmal in einem mittleren Küchendesaster endet, hätte aber länger durchhalten sollen, denn ich hab den nächsten Schritt ausgelassen: Suppe durch ein Sieb gießen (ich hab kein gscheites Sieb.) – bei mir waren halt noch kleine Erbsenteilchen drinnen, aber geschmacklich stört das gar nicht. Dann Suppe mit Salz, weißem Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und warmhalten bis zum servieren. Wer sehr ambitioniert ist fahrt mit dem Pürierstab kurz vor dem servieren noch mal kurz rein (schäumt angeblich die Suppe noch mal auf. Bei mir schäumte da nichts).

Für die Croutons: Einen (großzügigen) EL Butter in einer Pfanne aufschäumen und Weißbrotwürfel gemütlich goldbraun braten. Nicht die Croutons aus Faulheit weglassen, das zahlt sich wirklich aus – sie haben einen großartigen Buttergeschmack!

Dann: Suppe in die Teller mit den Kaiserschotenstreifchen tun, Croutons drauf und fertig. Lecker! Auch wenn meine Mama sagen würde „boah, die schmeckt nach Schlagobers!“

Hauptspeise: Gemüsepaella nach „Genussvoll Vegetarisch“ von Ottolenghi

Die Ottolenghi-Rezepte sind immer fröhlich und bunt, verlangen aber auch immer nach sehr vielen verschiedenen Zutaten. Sie sind nicht schwer nachzukochen, aber ein bisschen aufwändig, weil man Zeit braucht, bis man alles eingekauft und vorbereitet hat. Hier die Anleitung für eine wunderbare Gemüsepaella. Die Mengen aus dem Originalrezept („für zwei sehr hungrige Esser“) habe ich verdoppelt, und es ist schon einiges über geblieben. Das Rezept ist ein bisschen abgewandelt, die dicken Bohnen, die im Originalrezept drinnen sind, hab ich weggelassen (v.a weil ich eigentlich nicht genau weiß, was dicke Bohnen eigentlich sind).

Schnipseln und herrichten:

  • 1 kleiner Zwiebel, fein schneiden
  • Je 2 eher kleine rote und gelbe Paprika, in recht feine Streifen schneiden
  • eine kleine Fenchelknolle, auch in recht feine Streifen schneiden
  • 4 Knoblauchzehen fein schneiden
  • 200 ml Sherry (hatte ich nicht, stattdessen Grünen Veltliner genommen)
  • 1 TL Safran (ich hatte nur einen halben)
  • 300 g Risotto-Reis (Arborio zum Beispiel – im Originalrezept verlangen sie glaub ich irgendeinen original Paella Reis. Wer sowas hat, nimmt natürlich das. Aber wer hat schon sowas.)
  • 1 TL Kurkuma (Gelbwurz)
  • 1/2 TL Pimenton de la Vera (das ist Paprika aus geräucherten Paprikaschoten, bekommt man in Wien z.B. bei Babette’s, und die Anschaffung zahlt sich aus: Es schmeckt nämlich ein bisschen nach Speck. Und das ist immer gut, wenn man fleischlos für nicht-VegetarierInnen kocht.)
  • 1/2 TL Cayenne-Pfeffer
  • 4 Lorbeerblätter
  • 900 ml Gemüsebrühe (oder heißes Wasser und die entsprechende Menge Suppenwürfel)
  • 1 Glas Artischocken, abgetropft
  • 30 entkernte Kalamata-Oliven, halbiert
  • 24 halbierte Mini-Flaschentomaten (Mini San Marzanos)
  • ein Bund gehackte Petersilie
  • eine Zitrone, geachtelt.
  • optional: gehackter Koriander (steht nicht im Rezept, im Supermarkt gabs ihn grad im Angebot und wir sind große Fans)
  • optional: aufgetaute Riesengarnelen in beliebiger Menge (Protipp: Zum Blitz-Auftauen Garnelen in eine Schüssel tun und 3 Minuten heißes Wasser drüberlaufen lassen)

Und dann gehts eigentlich ganz schnell:

Zwiebel in 6 EL Olivenöl (ich halte bei solchen Angaben die Ölflasche senkrecht und zähle bis 6) bei mittlerer Hitze in der größten verfügbaren Pfanne 5 Min. anbraten. Paprika und Fenchel dazu, 6 Minuten braten, bis sie schön zusammengefallen sind. Knoblauch dazu, 1 Minute braten. Sherry (bzw. Weißwein) und Safran dazu und 2 Minuten köcheln. Reis und alle anderen Gewürze dazu, gut umrühren und sich an der leuchtend gelben Farbe erfreuen. Suppe dazu, noch einmal gut umrühren, zurückschalten so, dass es grad noch kocht, und 20 Minuten ganz leicht köcheln lassen (ohne Deckel!). Wenn dann die Flüssigkeit fast ganz aufgesaugt ist (es stellte sich heraus: Bei der doppelten Menge dauert das etwa 30, nicht 20 Minuten, aber das kommt wohl auch auf den Herd und die Pfanne drauf an – so streng ist das aber alles nicht), kosten. Bei Bedarf salzen und pfeffern, aber nicht mehr viel durchrühren. Der Reis möchte bleiben, wo er ist. Dann die halbierten Tomätchen drauflegen, ebenso die Artischocken. Pfanne weg vom Herd, abdecken (in Ermangelung eines Deckels einfach ein Dach aus Alufolie bauen) und 10 Minuten rasten lassen. Währenddessen, wenn man mag, Garnelen scharf in Olivenöl anbraten, bis sie rosa sind. In einer Extra-Schüssel auf den Tisch stellen. Deckel von der Pfanne runter tun, Oliven und Petersilie (optional auch Koriander) auf der Paella verteilen und mit Zitronenspalten servieren. Köstlich, sage ich euch! Schmeckt am nächsten Tag noch mindestens genauso gut.

Nachspeise: Sorbetto für Faule.

Das war eigentlich die Krönung des Menüs. Ich bin Nachspeisen-kochfaul, backe nicht so gerne, und sobald mehr als 5 Handgriffe für ein Dessert nötig sind, mach ichs normalerweise nicht. Stattdessen kauf ich lieber Eis ein oder Kuchen und spar mir den Aufwand. Diesmal hab ich am Weg nach Hause Eis mitgenommen (von hier – große Empfehlung, übrigens!), und zwar Zitrone, Erdbeere und Mango. Das Eis dann ca. 10 Minuten vor Verwendung rausstellen, ein bisschen Basilikum in Streifen schneiden, Gläser auf den Tisch, alle Leute nehmen sich nach Lust und Laune Eis, dann kann man, wenn man mag, ein bisschen Basilikum drauftun und vorsichtig ein bisschen Prosecco drüberleeren. Löffeln und glücklich sein. Das schmeckt erfrischend, leicht, und nach Sommer, dauert 10 Sekunden und man muss sich dann nicht wegen akuter Überfressung ins Bett legen.

Ich glaube, gutes Eis ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Lieber da ein bisschen mehr ausgeben, sonst schmeckt so Wassereis ja gerne nur nach Zucker und Aromastoffen. Und statt Basilikum kann man sicher auch Minze oder Zitronenmelisse nehmen oder die Kräuter ganz weglassen. Eissortenmäßig kann man das ganze Spektrum der Wassereis-Sorten ausprobieren. Ich glaub, ich versuchs das nächste mal mit Blutorange.

Ein richtiges italienisches Sorbetto war das natürlich nicht, sondern die Version für Faule, aber geschmacklich hat das trotzdem voll überzeugt.

Es war ein tolles Menü, vielen Dank fürs einkaufen, essen, loben, kochen, Tisch decken und aufräumen helfen!

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