Tofu

Meine Beziehung zu Tofu ist ein bisschen gespalten. Einerseits würd ich ihn gerne mögen, weil das mit meinem Bedürfnis nach wenig ökologischer Zerstörung durch Nahrung entspricht, andererseits schmeckt er oft einfach komisch. Bei uns wird Tofu ja normalerweise als lieblos zubereiteter Fleischersatz verwendet. Und dann bekommt man ihn manchmal ganz großartig. Letztens zum Beispiel beim Yak und Yeti – Seidentofu in südnepalesischen Gewürzen, mind-blowing. Mit Tofu hat sich die westliche Küche vielleicht einfach noch nicht ganz angefreundet. In einem New Yorker Artikel von 2005 über das Handwerk der japanischen Tofuproduktion ist die unterschiedliche kulturelle Relevanz dieser Speise so beschrieben:

„Tofu has been the dietary mainstay of monatsic life in Japan for about a millenium – it was imported from China and Korea, along with Buddhism – and it has never lost the soulful, exalted aura of its provenance. In that respect, its relation to the bean curd sold in plastic tubs at American supermarkets is that of a rice cracker to a Communion wafer.“

Nun habe ich oft das Gefühl, Tofu schmeckt immer gleich (= nach fast nichts). Dabei gibt es wohl ungefähr so viele verschiedene Tofu-Sorten wie Käse. „Käse schmeckt komisch“ würden wir wohl kaum als kulinarisches Argument durchgehen lasen. Die vielen verschiedenen Arten bekommt man allerdings nur im Asia-Shop, und der ist halt deutlich weiter weg als der Billa. Dort wiederum gibts nur den üblichen Räuchertofu, und der schmeckt, naja, ein bisschen nach nichts, und ein bisschen nach Schuhsohle. Ich kannte mal eine Person, die hat ein ganzes Packerl Billa-Tofu mit Sojasauce kalt aufessen können. Beim Gedanken daran bricht mir der kalte Schweiß aus (und mit dem Hinweis sei auch die Kategorie „einfach, aber doch geschmacklos“ eingeweiht).

Schuhsolentofu

Schuhsolentofu

Aber ich weiß, es geht besser. Vor allem wegen Jennifer Yu, die einen extrem netten Foodblog schreibt: Auf userealbutter.com veröffentlicht sie immer wieder tolle (chinesische) Rezepte. Eines ist Seidentofu mit Faschiertem (von wegen Fleischersatz – ich muss das unbedingt mal ausprobieren!), und da schreibt sie: „Most people who dislike tofu usually complain that it has no flavor. To that, I say, “You clearly don’t know how to cook tofu.” Zum Glück erklärt sie oft genug, was man mit Tofu alles leckeres machen kann. Ich hab nämlich vorhin im Billa eine Packung Schuhsohlentofu gekauft, und dank use real butter hatte ich eine Idee, wie man das halbwegs lecker zubereitet: In Stärke panieren und frittieren. So wie hier zum Beispiel. Das tolle an Tofu ist nämlich nicht der Geschmack im engeren Sinne, sondern die Konsistenz. Frittiert ist er außen knusprig und innen weich, Seidentofu ist nicht nur lecker in der Miso-Suppe, sondern ein guter Milchprodukt-Ersatz, wenn man für Leute mit Laktoseintoleranz kocht. Macht Suppe genauso cremig wie Schlagobers.

Also: Tofu in 1×1 cm Würfel schneiden. Stärke auf einen Teller, Salz, Chilli- und Lemongrass-Pulver dazu, vermischen. Dann werden die Tofuwürfel in der gewürzten Stärke gewälzt und in ordentlich Rapsöl bei starker Hitze goldbraun gebraten. Ich habe sie über ein schnelles Curry (Currypaste in Öl anbraten, Gemüse dazu, braten, Kokosmilch dazu, kurz kochen, salzen, fertig) drübergetan. Schmeckt gut! Vielleicht nicht all-time-favourite-gut, aber gut genug für ein schnelles Abendessen.

Wie ist das mit euch – hat irgendwer gute Erfahrungen mit Tofu gemacht und ein tolles Rezept in petto? Oder macht ihr einen großen Bogen darum?

Tofu und "grünes" "Curry"

Tofu und „grünes“ „Curry“

P.S.: Ich habs heute statt mit gewürzter Stärke mit marinieren versucht. Das kann man sich sparen, find ich. Es macht den Tofu nur unnötig feuchter als er eh schon ist, und damit wird das goldbraun knusprig braten schwieriger und spritzender als es sein muss. Einfach Salz, Chilli- und Zitronengraspulver in die Stärke mischen, dann schmeckts auch fancy.

Advertisements