Paprika-Auberginen-Terrine, oder: Kochen als Grenzerfahrung

„Du und deine Faszination mit absurd aufwendigen Rezepten“, sagt L., und sie hat recht. Die Rezepte aus Mälzer & Witzigmann (ein TV-Koch, den scheinbar alle hassen und den ich noch nie im Fernsehen gesehen habe, und ein alteingesessener österreichischer Kochgott) sind vom Aufwand-Ergebnis-Verhältnis eigentlich grade nicht mehr vertretbar, und glänzen außer durch „Wenn es einfach wäre, dann würden wir uns nicht damit abgeben“-Rezepte oft durch unpassende Mengen- oder Zeitangaben.

Wieso koch ich dann damit? Reine Neugier, oder wahrscheinlich: Das kulinarische Äquivalent von Leuten, die Extremsport machen: Ich will mir irgendwie beweisen, dass es geht. Aber es ist unglaublich anstrengend und steht nur bedingt dafür.

Um diese Erfahrung adäquat wiederzugeben, gibt es bei jedem Zubereitungsschritt einen Absatz „Stimmung“. Aber genug der Einleitung, hier kommt das Rezept – den Salat kann man übrigens super auch ohne Terrine machen, da ist das Verhältnis Aufwand zu Ergebnis wesentlich vernünftiger.

Paprika-Auberginen-Terrine (Für 4-6 Personen, oder für zwei, die dann drei Tage dran essen)

Zubereitungszeit: 80 Minuten (Steht im Kochbuch. Das ist eine Lüge. Ich hab doppelt so lang gebraucht, mit Übung gehts vielleicht in zwei Stunden).

Paprikamus

  • 2 Knoblauchzehen
  • 6 rote Paprikaschoten (Ich weiß nie, ob da die langen oder die dicken gemeint sind – weiß da wer genaueres? Ich hab jedenfalls lange genommen, werden besser weich, find ich – und rot und grün gemischt, weils die grad so gab)
  • 2 Stängel Thymian
  • 2 Zweige Rosmarin
  • Meersalz
  • Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • Cayennepfeffer
  • 8 EL Olivenöl
  • 5 Blatt weiße Gelatine (ich geh davon aus, dass damit die durchsichtigen Blätter gemeint sind)

Auberginen

  • 10 EL Olivenöl
  • 2 mittelgroße Auberginen
  • 1 Bund Basilikum

Schafkäsemasse

  • 2 Blatt weiße Gelatine
  • 125g Obers
  • 200g Ziegenfrischkäse

Salat

  • 4 Tomaten
  • 1 gelbe Paprikaschote (s.o.)
  • 4 EL kleine schwarze Oliven mit Stein (Ich war faul und hab kernlose genommen – man ist dann nicht so cool, erspart sich aber Arbeit)
  • 50g Rucola
  • 4 EL Weißweinessig
  • 1 TL flüssiger Honig
  • 3 EL Olivenöl

Zubereitung

  1. Backofen auf 170 Grad (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Knoblauch schälen und in Scheiben schneiden. Paprikaschoten halbieren, entkernen und mit Knoblauchscheiben auf einem Backblech verteilen. Hübsch gewürzte und angerichtete PaprikaschotenThymianblätter und Rosmarinnadeln von den Stängeln zupfen und über die Paprikaschoten streuen. Mit Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer würzen. Olivenöl darüberträufeln und mit Alufolie abdecken. Im Backofen auf der zweiten Schiene von unten etwa 25 Minuten garen, bis sie sehr weich sind.
    Stimmung:
    Das ist ja hübsch! und aromatisch wird es sicher auch. Voller Vorfreude kommt alles in den Ofen.
  2. Auberginen längs in dünne Scheiben schneiden. Olivenöl portionsweise erhitzen und die Auberginenscheiben darin hellbraun braten, salzen. Herausnehmen und nebeneinander auf Küchenpapier abtropfen lassen.
    Stimmung: Oh Gott, ist das mühsam. Aber das liebevolle einzelne Anbraten bis zur perfekten Bräunung schmeckt man nachher sicher.
  3. 5 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Paprikaschoten aus dem Ofen nehmen, im Mixer fein pürieren und danach durch ein Sieb streichen (grobmaschiges Sieb verwenden – siehe unten!), erneut abschmecken. Gelatine ausdrücken und unter die warme Paprikamasse rühren (die Gelatine sollte sich problemlos in der Masse auflösen, eventuell das Paprikapüree wieder erwärmen).
    Stimmung: 25 Minuten um, Paprika hart. Warten. 35 Minuten um, Paprika immer noch hart. 50 Minuten um, Paprika bisschen weich, Geduld am Ende, Paprika raus. Paprika wollen sich nach dem Pürieren zu einem Großteil nicht durch das Sieb streichen lassen, also eingedickte Paprikapampe zum gesiebten Sud dazu. Sieben umsonst. Frust.
  4. Eine Terrinen- oder Kastenform (ca. 26x10cm) verwenden, steht im Rezept. Ich hab eine normale Auflaufform verwendet, was nicht nur ästhetisch, sondern auch geschmacklich ein Problem war, weil die Ziegenkäsemasse nicht für die ganze Oberfläche gereicht hat. Also am besten an die Maße halten oder Ziegenkäsemasse verdoppeln. Form mit Frischhaltefolie auslegen, Basilikumblätter (bis auf 4 Stängel) von den Stielen zupfen. Terrine, mit Auberginen und Paprikamus gefülltForm abwechselnd mit Paprikamus, Auberginenscheiben und Basilikumblättern füllen. Dabei mit Paprikamus beginnen, darauf Auberginenscheiben und Basilikumblätter verteilen. mit Paprikamus abschließen. Zum Schluss etwa 30 Minuten kalt stellen und fest werden lassen.
    Stimmung: Naja, sieht ja ganz gut aus. Bisschen höher als auf dem Kochbuchfoto, aber das wird sicher passen.
  5. 2 Gelatineblätter in kaltem Wasser einweichen. Obers in einem Topf erhitzen. Ziegenfrischkäse unterrühren und schmelzen lassen. Salzen und pfeffern. Für ÄsthetInnen: Wenn Der Ziegenkäse nicht schmilzt, mit dem Prüierstab nachhelfen. Gelatine ausdrücken und unter die Obersmischung rühren, beiseitestellen. Die abgekühlte, noch flüssige Obersmischung auf der fest gewordenen Paprikamischung glatt streichen. Abdecken und etwa 30 Minuten im Kühlschrank fest werden lassen.
    Stimmung: Alles Lüge! Nach 30 Minuten wabbelt das Paprikamus trotz Kühlschrank fröhlich vor sich hin, nach 40 Minuten gieße ich entnervt das Schafskäseobers dazu, das sich leicht vermischt und außerdem nicht die gesamte Oberfläche abdeckt. Aus den Augen, aus dem Sinn, ab damit in den Kühlschrank und sich erfreulicheren Dingen zuwenden. Nämlich dem Salat.
  6. Tomaten und gelbe Paprikaschote halbieren, entkernen und fein würfeln. Oliven entsteinen und halbieren, oder nur halbierenLEckerer, einfach Rucola-Tomatensalat und sich über weniger Arbeit freuen, wenn ihr entsteinte gekauft habt. Restliche Basilikumblätter von den Stielen zupfen, Rucola nach Belieben klein zupfen. Alles in einer Schale mischen. Essig, Salz, Pfeffer, Honig und Olivenöl verrühren, über die Salatzutaten geben und etwa 10 Minuten marinieren.
    Stimmung: Der Salat schmeckt köstlich und gibt mir wieder Hoffnung.
  7. Terrine aus der Form auf eine Platte stürzen. Frischhaltefolie entfernen und die Terrine mit dem Rucola-Tomatensalat anrichten.
    Stimmung: Das Käse-ObersTerrine mit Salat - schwere Geburt. ist flüssig! Also noch etwas gewartet, L. ist sowieso noch nicht vom Laufen zurück (aufgebrochen ist sie ca. bei Minute 80, also da, wo das Ganze laut Rezept hätte fertig sein sollen). Einige Zeit später: Immer noch flüssig, aber der Hunger siegt, also wird angerichtet.

Endergebnis: Schmeckt köstlich, aber ob man einen Teil mit Schafkäse erwischt, ist Glückssache, weil er erstens ungleich verteilt ist und zweitens mit Eifer davonrinnt, wenn man die Terrine portioniert. Ich bin hin- und hergerissen zwischen „Einmal und nie wieder“ und „Übung macht den Meister oder die Meisterin“.

Nachtrag: Nach einer Nacht im Kühlschrank hat sich das Ganze merklich verfestigt, so sollte das vermutlich ungefähr sein. Die Auberginenschicht ist trotzdem doppelt so hoch wie die Schafkäseschicht, am Kochbuchfoto ist es umgekehrt.

Fazit: Unbedingt eine Kastenform nehmen und am Vortag zubereiten, dann ist es entweder eine unglaublich Eindruck schindende Vorspeise oder eine tolle Hauptspeise, die keinen Stress macht. Nicht machen, wenn ihr hungrig, ungeduldig oder beides seid. Und Entschuldigung für die Fotoqualität, Aline muss mir mal zeigen, wie sie das macht.

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