Rant: Der österreichische Lebensmittelhandel

Letztes Wochenende waren wir, wie immer zu Pfingsten, in Jesolo. Wetter war OK, und auf der Rückfahrt haben wir beim ipercoop einen Zwischenstop gemacht. Das Geschäft hatte ungefähr die Größe eines amerikanischen Walmarts, und wir haben alle eingekauft wie die Blöden. Olivenöl, Kaffee, Zucchini (aus dem Veneto, bwz. die tollen runden), Melanzani, Fave, Tomaten, Büffelmozzarella (die Minis!), Zitronen, Tortellini, Pan di Stelle, Pancetta, Käse, you name it. Den stinknormalen Lavazza-Kaffee bekommt man dort um  € 3,49 – für zwei Packungen! Nicht eine um € 3,79 wie bei uns. Vielleicht sollte ich mal Patrice davon erzählen. Ich habe voll zugeschlagen und mich mit Qualità Rossa eingedeckt.

Das letzte Mal war ich Anfang Februar in Triest. Bei uns gabs zu der Zeit außer Weißkraut und Kartoffeln im Billa quasi nichts zu kaufen, dort stand ich eine Stunde staunend vorm Gemüseangebot im PAM. Es gab fünf (!) verschiedene Sorten Radiccho zur Auswahl. Darunter den extrem geilen Radicchio Treviso. Es gab sizilianische Zitronen in der Größe von Handbällen. Es gab einen riesen Haufen frischen Petersilie, 2 Euro das Kilo (!). Für das Äquivalent eines Petersil-Bundes beim Billa (dort kostet das glaub ich 1,50) habe ich ein paar Cent gezahlt. Es gibt dort konservativ geschätzt 20 Olivenöl-Sorten zur Auswahl.

Und wieder mal bin ich heute Abend zum Billa gelaufen und habe, wie der Rest meines Grätzls, schnell am Freitag Abend den Wochenendeinkauf erledigt. Ganz einsam lag ein Spargelbund am Gemüseregal, hob man ihn auf, zeigten die Enden traurig nach unten – lätschert wie gekochte Spaghetti. Ungefähr gleich die Gurken: Gelbich, verschrumpelt. Wütend warf ich diverese italienische Importprodukte in meinen Einkaufswagen und zog von dannen.

„Und dafür werden wir auch noch abgezogen?!“, murmelte ich wütend zu mir selbst am Weg nach Hause. Rewe bekam kürzlich 20,8 Millionen Euro Kartellstrafe aufgebrummt, weil sie jahrelang Preisabsprachen mit ihren LieferantInnen gemacht hatten. Sie sagen zwar, das hätte keine Auswirkung auf die Preise für die EndverbraucherInnen gehabt. Naja, weswegen macht man das denn sonst? Und warum sonst zahlt man ohne Murren ein paar Mille an die Wettbewerbsbehörde, ohne Einspruch und gar nichts? Wohl um so schnell wie möglich Gras über die Sache wachsen zu lassen und damit sich die KonsumentInnen nicht so aufregen.

Die Arbeiterkammer schaut immer wieder, wie sich bestimmte identische Produkte in Österreich und Deutschland preislich unterscheiden. Das Ergebnis ist echt haarsträubend: Wir werden ziemlich sicher von unserem Einzelhandel abgezogen. Nur, um hier nicht falsch verstanden zu werden: Ich zahle gerne Geld für gute Lebensmittel. Wegen mir muss das Hendl nicht 3 Euro kosten. Für schöne Spargel leg ich auch einen Zehner pro Kilo hin. Die ProduzentInnen sollen gutes Geld für qualitätsvolle Ware bekommen. Aber ich habe keine Lust, einem der größten Konzerne Österreichs für seine Tätigkeit als Zwischenhändler Geld nachzuschmeißen.

Was tun? Ich habe kein Zeit für Lebensmittel-Kooperativen, kann nicht immer auf den Markt laufen (braucht auch zu viel Zeit), vom Biokistl mag ich den Inhalt manchmal einfach nicht (z.B. im Winter – wer will schon monatelang Rüben und Kohl essen?) und ich kann leider nicht jede Woche nach Italien fahren. Und so stapfe ich halt dreimal die Woche zum Billa. Irgendwann kann ich vielleicht das Lebensmittelparadies Italien wieder vergessen.

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