Essen am Frauenlauf

Am Sonntag war Frauenlauf – und ich habe die Zeit, während L. gelaufen ist (10 Kilometer!), genutzt, um mir was zu essen zu holen.

Ich liebe griechische Küche, und wenn irgendwo „Gyros“ steht, dann kenne ich kein Halten mehr. Die Essensstand-Organisation leider schon. Also am Ende der langen Schlange angestellt, um dann einen Bon zu erhalten, den ich weiter rechts am Stand gegen eine Portion Gyros eintauschen können sollte. Nur war dort noch eine Schlange, die noch länger war. Kurze Bewertung der Situation: Manche Menschen in der Schlange hatten Bons in der Hand, manche Geld. Das System war also nicht allen ganz klar – und mir auch nicht. Also hab ich mir eingeredet, dass man sich mit Bon sicher nicht nochmal anstellen muss, mich von der Seite dazugeschummelt und ein bisschen schlecht gefühlt. Dafür habe ich das hier bekommen:

Fremdes Gyros mit BrotDisclaimer: Das ist nicht mein Gyros. Auf die Idee, das zu verbloggen, bin ich leider erst gekommen, als ich schon satt war, aber zum Glück hat mich ein nettes Pärchen später ihr Essen fotografieren lassen. Das ist das gute an Systemgastronomie: Es sieht immer gleich aus und schmeckt auch so.

Jedenfalls: Wer Gyros nicht kennt, wird nach dieser Portion kein Fan. Was schade ist: Gyros ist großartig und hat wirklich sehr wenig mit Kebab zu tun. Wenn ich schlecht griechisch esse, werde ich immer ein bisschen wütend auf die Küche, die das verbrochen hat, weil ich finde, dass das den Ruf griechischen Essens ruiniert. Es war nicht schlecht, aber fad und unbesonders. Andererseits: War auch nicht anders zu erwarten.

Überhaupt ist das so eine Sache mit Essen bei Großveranstaltungen: Es ist nicht besonders, es ist teuer, und man muss es sich (durch Anstellen) verdienen. Ich kann nicht genau sagen warum, aber irgendwie kommen mir die Grillwurst- und sonstigen deftigen Stände bei einer Laufveranstaltung auch absurd vor. Sicher, nachdem man sich extrem angestrengt hat, ist so eine Wurst/ein Fleischberg/Holzhackernockerln eine tolle Belohnung, aber irgendwie hätte ich doch mehr Salate erwartet. Andererseits ist das auch ein nettes Zeichen gegen übertriebenen Fitnesswahn. Vielleicht stört mich, dass es so wirkt, als würden die Stände halt einfach überall aufgebaut, wo genug Menschen sind, egal, was da eigentlich grade passiert. Wie seht ihr das so?

Jedenfalls ist der Frauenlauf eben groß genug für eine Vielzahl an Ständen, und eine Vielzahl an EsserInnen:

Aber er ist eben auch groß genug, um eine Gegenbewegung zu der Stand-Verpflegung zu erzeugen:

2013-05-26 11.25.28Bevölkert wurde dieser Tisch von einigen gut gelaunten Männern. Ich hatte den Eindruck, die nutzen die Zeit, in der ihre Frauen/Freundinnen/Bekannten laufen, für ein gemütliches Männerpicknick. Das ist eine Sache, die man am Frauenlauf ganz gut beobachten kann: Wenn Veranstaltungen mit einem klaren Empowerment-Ansatz eine gewisse Größe erreichen, kommt es zum Zusammenstoß mit der Alltagskultur. Auch schön gezeigt hat sich das an der Ansage des U-Bahn-Stationswartes beim Nachhausefahren:

„Na, die Verteilung am Bahnsteig funktioniert ja sehr gut. Gratulation an euch, vor allem auch zu eurem Lauf! Ihr seid’s alle Sieger!“

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