Kasnockn mit Bärlauch-Käse

Vor ein paar Wochen hab ich mir einen Nockerlhobel gekauft und das aber gleich wieder vergessen. M. erklärte mir dann kürzlich, dass sie Nockerln als Beilage zu Spargel sehr empfehlen kann, ich schilderte meine vermeintlich missliche Lage in der Frage Nockerlhobel, sie schaute mich ein wenig befremdet an und zeigte auf die Küchenutensilien, die hinter mir auf einer Stange hingen. Nockerlhobel natürlich mitten drin. Ich war dann so erfreut, dass ich gleich mal Kasnockn ausprobiert hab.

Meine Eltern haben mir letztes Wochenende ein paar gute Sachen aus Zell am See mitgebracht: Hirschwürstel, Speck, geselchtes Rindfleisch und einen ziemlich stinkerten Bärlauchkäse vom Aubauern. Bei letzterem hat Daniel ziemlich geschnauft (bzw. die Luft angehalten), stinkerter Käse ist so ungefähr das allerletzte, was er freiwillig essen würde. Das Viertelkilo alleine zu jausnen fand ich als Herausforderung dann doch zu groß, und weil er zwar weicher ist, aber ähnlich riecht wie Pinzgauer Kas, hab ich mir gedacht, dass Kasnockn damit eigentlich funktionieren sollten.

Mit Kasnockn ist es in Wien so eine Sache: Das klappt so wie ich mir das vorstelle nur mit Pinzgauer Kas. Und den kriegt man hier natürlich nicht. Transportiert man ihn im Auto nach Wien, riecht man dann wie nach einem Tag in der Käserei, versucht man es im Zug, hat man wohl ein ganzes Abteil schnell für sich alleine. Also hat sich das bisher nicht ergeben. Außerdem muss man die richtige Pfanne haben. Klassischer Weise ist das eine Gusseisenpfanne, ich hatte eine aus Edelstahl, wichtig ist aber: Sie darf keinesfalls beschichtet sein!

Also: Käse war da, Pfanne war da, Nockerlhobel war da, und dann ist das eigentlich ein sehr flottes und einfaches Gericht mit geschätzten 20.000 Kalorien pro Portion.

Zutaten:

  • 500g Mehl
  • ca. 1/4 L Milch
  • 1 1/2 TL Salz, Muskatnuss
  • 2 Eier
  • ein viertel Kilo Pinzgauer Käse oder ein geeignetes Äquivalent
  • Butter
  • Schnittlauch
  • wer mag: Blattsalat

Für die Nockerl hab ich mir zwei verschiedene Rezepte angeschaut. Eines aus Plachuttas Kochschule, und eines aus dem „Kochbuch der Bäuerin“, Erscheinungsjahr 1951. Während das erste Rezept für 500g Mehl nur wenig Milch (100ml glaub ich), 1 EL zerlassene Butter, 2 Eier und 2 Eidotter verlangt, gibt es bei der „Bäuerin“ eine Variante mit 2-3 Eiern für 1 Kg Mehl. Der Kühlschrank hat für mich entschieden – es gab nur noch zwei Eier. Bei 500g Mehl und 2 Eiern braucht man dann etwa einen knappen viertel Liter Milch. Der Teig soll zäh sein, aber so flüssig, dass er es durch die Nockerlreibe schafft. Einfach alles zusammenrühren, eineinhalb TL Salz und ein bisschen Muskatnuss rein. Retrospektiv betrachtet hätte dem ganzen ein Ei mehr aber vielleicht ganz gut getan.

Wenn der Teig fertig ist, einen Topf Wasser aufstellen. Währenddessen den Käse grob reiben und einen Zwiebel klein schneiden. Sobald das Wasser kocht, gut salzen. Nockerlreibe auf den Topf, Teig rein, und reiben. Im Zweifelsfall immer für den größeren Topf entscheiden! Die Nockerl einmal aufkochen lassen, wenn alle schwimmen (2-3 Min.), kann man sie abseihen.

Das Finish: Jetzt den Zwiebel in ordentlich Butter bei mittlerer Hitze anbraten. Sobald er hellbraun ist, kommen die Nockerl dazu, gut umrühren. Dann den Käse dazu, gut umrühren. Und ab jetzt: Nicht mehr umrühren! Auf mittlerer Hitze lassen bis der Käse gut geschmolzen ist, dann können ungeduldige Leute wie ich ein bisschen rauf drehen. Denn die Nockerl und der Käse sollen unten ein bisschen anbacken – quasi eine Kruste von unten (Prinze).

Dann kommt für die hartgesottenen noch ein bisschen zerlassene Butter oben drauf, im Idealfall Schnittlauch (hatten wir nicht), ordentlich Pfeffer und fertig! Mit Salat servieren, aus der Pfanne essen ist am lustigsten. Da kann man dann so richtig schön die Kruste unten wegschaben.

Das Kochbuch der Bäuerin hat übrigens der Tilli-Oma gehört. Es ist ein bisschen mitgenommen, aber ein sehr interessantes Zeitdokument. Man lernt dort, wie man bestimmte Tiere schlachtet und alles von ihnen verwendet, wie man Gemüse und andere Lebensmittel haltbar macht. Ich glaub allerdings, dass meine Oma das Buch gar nicht so oft hergenommen hat. Ich hab sie eigentlich überhaupt nie mit einem Kochbuch gesehen. Ihre Bladlkrapfen und Fleischkrapfen mit Sauerkraut gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Einmal würde ich das gerne versuchen, selbst zu kochen.

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