Gazpacho-Therapie

Zurück vom Urlaub und mitten im Kampf gegen den 9-h-Jetlag habe ich in diversen Flugzeugen schon wilde Pläne geschmiedet, wie ich  mich zu Hause wachhalten kann. Mein festes Vorhaben, dem Fitti wieder mal einen Besuch abzustatten, hat sich in 30 Grad Außentemperatur aufgelöst, dafür hab ich Gazpacho gemacht.

Nach drei Wochen Amerika stürmten Daniel und ich im Halbdelirium den Supermarkt und kauften den Kühlschrank voll. Am Weg dorthin unterhielten wir uns über die nötigen Zutaten von Gazpacho, brachen aber mitten im Gespräch ab, weil uns irgendwas abgelenkt hat oder unsere Gehirne einfach nicht mehr über einer Minute am Stück durchhielten. Das zweite Mal fragte ich nach den Zutaten, als wir vom Gemüseregal standen. „Hast du nachgeschaut, was wir für Guacamole alles brauchen?“ – „?“ – „?“ – „Warum machen wir Guacamole? Ich hätt viel lieber Salsa.“ – „Ich meinte Gazpacho“ – „Achso“ – Aus. Ich räumte irgendwas ins Einkaufswagerl. Daniel räumte irgendwas ins Einkaufswagerl. An der Kassa wiederholte sich der Dialog („Guacamole“-„?“) fast ident, zu Hause riss mich dann der Kochbuch-Index raus – Gazpacho kommt vor Guacamole, und ich hatte endlich eine Zutatenliste. Aber natürlich nicht die richtigen Zutaten. Grüne Spitzpaprika? Fehlanzeige. Ich hatte rote und orange gekauft. Weiß ja jedes Kind, dass wenn man rot (Tomaten) und Grün (Gurken und jetzt auch noch Paprika!) mischt, unappetitliches Braun herauskommt, und das will ja kein Mensch essen. Also las ich das Rezept – einmal, zweimal, dreimal, viermal, konnte mir auch nach dem fünften Mal nicht merken, was ich zu tun hatte, und ging schließlich Satz für Satz vor.

„Kinderspiel!“, freute ich  mich am Anfang. Tomaten schneiden, mit Semmelbrösel und Zwiebel ziehen lassen, Gurke schälen, entkernen, schneiden, Paprika schneiden, alles zusammen, mit ein bisschen Suppe pürieren. Die Hindernisse kamen am am Ende, und da gehäuft: Schon mal rohe Zwiebel püriert? Schneiden nix dagegen, tränenmäßig. Oder vor lauter Schlafentzugs-Leichtsinnigkeit den Pürierstab ein bisschen zu schräg gehalten und eine Fontäne Gemüsegatsch auf Küche, Rock, und Küchenteppich befördert? Nachdem die Tränen getrocknet und der Gemüsetsunami beseitigt war, machte ich mich an die kuriose Aufgabe, Knoblauch und Semmelbrösel in Olivenöl anzurösten. Wofür wusste ich nicht genau. Nachdem ich damit fertig war, las ich nach. Ich hatte die vorgeschriebenen Weißbrotwürfel mit Semmelbrösel ersetzt (hatte keine Weißbrotwürfel, die braucht man für Guacamole ja auch nicht…) und a Nudl, a Daag, nicht?

Nicht. Das hätten Croutons werden sollen. Jetzt stehen mit Knoblauch aromatisierte Semmelbrösel in unserem Kühlschrank.

Die Suppe kann man auch ohne Croutons essen, und sie schmeckt gut, aber nicht bemerkenswert und ein bisschen nach Karotte. Ein Freund glaubte mir nicht, dass ich da keine Karotten hineingetan hätte, so sehr schmeckt man das Carotin aus den roten Paprika. Aber das Kochen hat mich wach gehalten, und das war ja der Zweck des Projektes: Jetlag-Therapie.

Hier eine Rezeptversion mit ein paar Abwandlungen, wie ich glaube, dass es besser schmecken könnte. Das Originalrezept ist aus dem GU-Kochbuch „Vegetarisch!“, das ich sehr empfehlen kann.

Zutaten (für ca 1 1/2 Liter):

  • 700 g Tomaten
  • 1 Gurke
  • 1/2 Zwiebel (oder mehr, je nach Geschmack)
  • 2 grüne Spitzpaprika
  • 1/4 Suppenwürfel in 100 ml Wasser aufgelöst
  • 70 g Semmelbrösel
  • ca. 2 EL Sherryessig (habe ich mit Rotweinessig ersetzt), einen guten Schuss Olivenöl, Cayennepfeffer, Pfeffer und Salz zum Abschmecken

Tomaten in Würfel schneiden, mit kleingeschnittenem Zwiebel, dem Essig und den Semmelbröseln mischen und eine halbe Stunde im Kühlschrank ziehen lassen. Währenddessen Paprika entkernen und schneiden, Gurke schälen, entkernen und schneiden, alles mit Suppe und Olivenöl pürieren, abschmecken, durch ein Sieb streichen, noch mal abschmecken und in den Kühlschrank. Eiskalt essen!

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