Conchas für Conchita

Ich hatte ja schon jahrelang eine latente Begeisterung für den Songcontest, die ich nie wirklich die Gelegenheit hatte auszuleben. Dieses Jahr hat es sich mit dem Antritt (und der Finalqualifikation) von Conchita Wurst gut ergeben. Da habe ich eine Ausrede für kleine patriotische Ausbrüche. Ich kann das vor mir selbst gut vertreten wenn die vermittelte Botschaft stimmt. Und allein dafür, dass ihre Kandidatur Anlass bietet, mit Menschen über Geschlechterrollen zu diskutieren, mit denen sich das sonst nicht so anbieten würde („Mahlzeit – wie stehst du so zu Crossdressing?“), sollte man sie mögen. Abgesehen davon gefällt mir das Lied und die Inszenierung beim Songcontest sehr gut, ich habe ein Faible für in ihrer Schrägheit ernsthafte Sachen.

Aber gut, das hier ist ein Kochblog. Zur Sache: L. und ich sind auf einer Songcontest-Party eingeladen (endlich mal wieder!), und dass es Wurst geben wird, wurde angekündigt. Bleibt also, um den kulinarischen Witz zu ergänzen, nur noch „Conchita“. Dazu gibt es kein Rezept,  ich habe also nach der Stammform „Concha“ gesucht und ein Rezept für ein mexikanisches Süßgebäck gefunden. Es gab noch eine andere Variante, aber die hat sinngemäß mit „Das traditionelle Rezept ist mir zu süß“ angefangen, kam also nicht in Frage.

Warnung: Das Zubereiten selber sauert nicht so lang, aber man muss den Teig insgesamt 1 Stunde 45 Minuten gehen lassen und 20 Minuten backen. Ist also eher nur sinnvoll, wenn man Zeit hat.

Conchas bestehen aus zwei Teilen: Dem Teig und dem Belag (Ich sage „Hütchen“ dazu, weil sie damit wie kleine Pilze ausschauen). Für den Teig (12 Stück) braucht ihr folgendes:

  • 2,5 TL Trockenhefe (Hefe ist Germ, falls es jemandem wie mir geht und er/sie sich nicht sicher ist. Wahrscheinlich gehts auch mit normalem Germ, ich hab mich nicht getraut, das auszuprobieren)
  • 120 ml lauwarmes Wasser
  • 120 ml Kondensmilch (Wer hat das denn erfunden? Ich bin mir etwas komisch vorgekommen, als ich die Tube (!) gekauft habe. Wenn mir das jemand in den Kommentaren erklären könnte, wäre ich sehr dankbar)
  • 75 g zerlassene Butter oder Margarine
  • 75 g Zucker
  • 1 TL Salz
  • 1 Ei
  • 500 g Mehl
  • 1/2 TL Zimt

Hefe und lauwarmes Wasser in einer Schüssel verrühren. Meine Erfahrung ist, dass Mixer bei Germteigen zwecklos sind. Also Hände waschen und rein ins Knetvergnügen! Dann Kondensmilch, zerlassene Butter, Salz, Ei, die Hälfte vom Mehl und Zucker hinzufügen. Achtung: Im verlinkten Rezept ist der Zucker im Zubereitungstext nicht erwähnt, weshalb ich ihn glatt vergessen habe und ihn ganz zum Schluss nochmal einkneten musste. Das allein war Motivation genug, hier einen Rezeptbericht zu veröffentlichen, um das anderen möglicherweise zu ersparen (die zweite Motivation war Conchita, und die dritte mein Protzbedürfnis mit den Lebensmittelfarben, siehe unten). Dann das restliche Mehl dazu und den Zimt. 6-8 Minuten mit den Händen kneten (im Originalrezept steht was von einer bemehlten Arbeitsfläche, aber ich mach das eigentlich immer in der Luft). Bisschen geschmacksneutrales (!) Öl in eine Schüssel geben, Teig darin wälzen bis er schön glänzt und eine Stunde lang aufgehen lassen.

Vanille- und Zimtteig für die Hütchen

Vanille- und Zimtteig für die Hütchen

Die Stunde kann man gut nutzen, indem man die Hütchen zubereitet. Das braucht ihr dafür:

  • 140 g Zucker
  • 120 g Butter oder Margarine
  • 130 g Mehl
  • 2 TL Zimt
  • 1 TL Vanille-Extrakt (Ich glaube, das gibts bei uns nicht, ich habe einen großzügigen Teelöffel Vanillezucker genommen. Kein Vanillinzucker, wegen dem Aroma warats).

 

 

Hütchenteig, bunt

Hütchenteig, bunt

Butter und Zucker vermischen (Hier leistet der Mixer gute Dienste), dann Mehl dazu, gscheit verkneten, in zwei Teile teilen. In einen Teil kommt der Zimt, in den anderen der Vanillezucker. Jeden Teigteil in 6 Teile teilen und zu Kugeln formen. Die Hellen kann man mit Lebensmittelfarbe färben, die Zimtkugeln sind eh schon braun, da kann man nicht mehr so gut färben. Ich habe gefärbt, weil wir unsere Lebensmittelfarben sonst selten verwenden und „Rainbow Conchas“ sich in dem Fall quasi aufdrängen (falls es noch jemand nicht mitgekriegt hat: Der Künstler hinter Conchita ist der offe schwule Tom Neuwirth).

 

Teig mit zu großen Hütchen - macht sie etwas kleiner!

Teig mit zu großen Hütchen – macht sie etwas kleiner!

Sobald die Stunde um ist, den Teig in zwölf Teile teilen. Mich macht sowas fertig, wenn eine ungerade Zahl dabei ist, man also nicht einfach halbieren kann. Ich habe zuerst in drei Teile geteilt und diese drei dann jeweils zweimal halbiert, und jedesmal die einzelnen Teile abgewogen (das muss man nur machen, wenn man ein bisschen zwanghaft ist). Diese zwölf Bällchen werden dann in möglichst großem Abstand auf ein Backbleck gesetzt und bekommen jeder ein Hütchen drauf. Dazu die Hütchen-Bällchen flachdrücken, auf die Teigbällchen setzen und leicht andrücken. lieber etwas dicker lassen, die Hütchen sollten den Teig nicht ganz bedecken, sonst rutscht er beim Backen leicht runter.

Versuch eines Muschelmusters

Versuch eines Muschelmusters

Jetzt könnt ihr nach Belieben ein Muster in die Hütchen schneiden. Der Sinn davon ist, dass der obere Teig beim Backen aufplatzt und man das Muster besser sieht. Ich habe versucht, ein klassisches Muschelmuster zu machen (Concha ist spanisch für Muschel), geht aber auch z.B. kreuzweise. Die gute Nachricht: Die harte Arbeit ist jetzt vorbei. Die schlechte: Bevor das ganze ins Backrohr kommt, muss es nochmal 45 Minuten aufgehen (Im Rezept steht, sie sollen ihre Größe verdoppeln, bei mir wars das nicht ganz, aber sie haben sich trotzdem beeindruckend vergrößert).

Kurz bevor die Zeit um ist, das Backrohr auf 190 Grad (Ober/Unterhitze) vorheizen, wenn es auf Temperatur ist, rein mit dem Conchas und 20 Minuten goldbraun backen.

Wenn es so aussieht, waren die Hütchen zu groß.

Wenn es so aussieht, waren die Hütchen zu groß.

Dann: Rausnehmen, abkühlen lassen, und hoffen, dass Conchita heute Abend einen besseren Platz macht als Alf Poier.

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